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"Was haben Sie mit Ihrer Lebenszeit gemacht?"

Mittwoch, 24 April 2013 10:18

"Was haben Sie mit Ihrer Lebenszeit gemacht?"

Vortrag Drogeriemarkt-Gründer Prof. Götz Werner plädiert in Immenstadt-Stein für ein bedingungsloses Grundeinkommen

Von Olaf Winkler

Immenstadt-Stein Prof. Götz Werner plädiert für ein Umdenken. Arbeit und Einkommen will er entkoppelt sehen. Für ein bedingungsloses Grundeinkommen setzt sich der Gründer der Drogeriemarkt-Kette "DM" ein. Sein Umdenken erfordert zunächst einmal ein Mitdenken bei Werners Vortrag bei der Arbeitsgemeinschaft Pulsierendes Immenstadt (Impuls) in der "Krone" in Stein. 150 Zuhörer waren sichtlich gebannt. "Was hast Du aus Deinem Leben gemacht?". Es ist diese Frage vor dem "Jüngsten Gericht", die Götz Werner antreibt. Und er sieht das ganze Leben als unternehmerische Veranstaltung und als eine Kette von Angebot und Annahme. Aber er sieht auch, dass sich die Welt verändert hat: "Wir leben heute nicht mehr von den Früchten der Arbeit auf dem Feld." Der Mensch denke aber noch immer wie ein Selbstversorger: "Was früher die Ernte war, ist heute die Lohnzahlung."

Das ist nach Ansicht des 69-jährigen Unternehmers falsch. In einer Abhängigkeit von einer Lohnzahlung könne sich der Mensch nicht entfalten. Deshalb tritt er für ein bedingungsloses Grundgehalt ein. Der Mensch sei schließlich nicht "Mittel zum Zweck" im Produktionskreislauf, obgleich er häufig nur als "Produktionsmittel" gesehen werde. Tatsächlich finde ohne den Menschen gar kein Wirtschaften statt. Werners Logik: "Jeder muss ein Einkommen haben, das es ihm ermöglicht, zu arbeiten." Die Arbeit sollte der Mensch also nicht haben, um das notwendige Geld zu verdienen - "sondern, um über sich hinauszuwachsen".

Wer nur einen "Einkommensplatz" habe, sollte sich verändern können, so Götz Werner. Denn: "Es ist Ihre Lebenszeit!" Die Unterscheidung zwischen Arbeitszeit und Freizeit sei falsch.

Falsch ist nach Ansicht von Werner auch das Belohnen von Arbeit mit Anreizsystemen wie einer Umsatzbeteiligung: "Es setzt Menschen unter Druck und es führt zu Manipulationen", ist er sich sicher. Der Unternehmer müsse vielmehr einen Sog erzeugen und mit seinen Zielen und Ideen überzeugen. "Und wenn Sie am Arbeitsplatz keine Idee erleben, dann gehen Sie", fordert Werner auf.

Sein Vortrag löst Fragen aus, beispielsweise nach der Höhe des bedingungslosen Grundeinkommens. Das müsse die Gesellschaft stets neu definieren, so der Unternehmer. Er muss sich auch fragen lassen, wieso auch bei "DM" ein Bereichsleiter mehr als ein Filialleiter verdiene. "Er trägt mehr Verantwortung", lautet die Antwort. Und am Ende des Abends steht die alles entscheidende Frage: "Wer soll das bezahlen?" Es sei nicht die Frage, ob genug Geld für ein solches System vorhanden sei, sondern: "Haben wir genug Waren und Dienstleistungen?" Das sei definitiv der Fall, denn Deutschland sei reicher denn je. Das Problem sei, "dass das Geld nicht da ist, wo es hingehört".

Erscheinungstag: 24.04.2013 - Zeitung: AZ
Ausgabe: B-IS - Ressort: LOK - Seite: 28

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