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Höß-Areal Das Geschäftshaus an der Bahnhofstraße wächst

Samstag, 20 Juli 2013 00:00

"Froh, dass sich was tut"

Höß-Areal Das Geschäftshaus an der Bahnhofstraße wächst - In Immenstadt herrschen gemischte Gefühle zum geplanten Sortiment und zur äußeren Gestaltung

von Veronika Krull

Immenstadt Die Freude ist groß, "dass sich was tut". Gegenüber dem Bahnhof im Städtle ist tatsächlich einiges los. Lastwagen fahren vor, Baulärm und Staubwolken erfüllen die sommerliche Luft, Passanten quetschen sich an dem hohen Zaun vorbei. Auf dem ehemaligen Höß-Areal entsteht derzeit ein Geschäftshaus. Einziehen werden der Drogeriemarkt Müller, die Modekette "Takko" mit einer Filiale sowie eine italienische Eisdiele. "Eröffnung im Herbst", verheißt ein Bauplakat. Diese grobe Zielvorgabe kann Claudia Zimmermann vom Investor "ST Bau" in Weißenhorn bestätigen. "Wir sind im Plan."

"Wir sind froh, dass sich die Lücke schließt", sagt "Impuls"-Vorsitzende Petra Schafroth. Nicht froh seien die Einzelhändler über das geplante Sortiment. Dass die Drogerie den Standort aus der Innenstadt eher nach außen verlagert, gefällt Schafroth ebenso wenig wie der Einzug der Textilkette. "Das passt überhaupt nicht dahin", sagt sie entschieden. Schließlich gebe es in der Innenstadt vorwiegend Einzelhandelsgeschäfte. Nathalie Wiest aus Kempten ist da optimistisch: "Klingt nach einem guten Laden", meint die 18-jährige Berufsschülerin aus Kempten zum neuen Müller. "Vor allem" freut sie sich auf das Eiscafé.

"Eine Eisdiele fehlt hier in der Ecke", stellt Günther Kobilke (54) fest. Das sei eine Bereicherung und schön für die Schüler der nahe gelegenen Berufsschule, glaubt der Finanzbeamte. Auch er findet es grundsätzlich gut, dass endlich gebaut wird. Die lange Zeit offene Baugrube sei kein schönes Bild gewesen. Dass sich der Drogeriemarkt vergrößern will, könne er gut verstehen. Auf ein größeres Sortiment, vor allem bei den Schreibwaren, hofft auch Leona Hinz aus Immenstadt. Ist "Takko" für sie ein Thema? "Ich werde ab und an mal reingucken", sagt die 23-jährige BWL-Studentin und verweist auf ihr schmales Budget. In Immenstadt, klagt sie, seien die Klamotten oft nur für ältere Leute und dazu noch teuer.

Wenig Interesse an den neuen Geschäften zeigt dagegen Julia Müller (19) aus Martinszell. Sie geht in Immenstadt zwar in die Berufsschule, kauft aber eigentlich in Kempten ein. Markus Beer, Abteilungsleiter im benachbarten Fachgeschäft "Eisenmann", ist wiederum davon überzeugt, dass sich der Drogeriemarkt als "Frequenzbringer" für die obere Bahnhofstraße erweist. Auch Franz Josef Bietsch, Besitzer des schmucken Bahnhofs vis-à-vis, freut sich über die Belebung: "Das ist für uns alle positiv." Die geplanten Geschäfte könne er jetzt noch nicht beurteilen. Auch von der Architektur könne man noch nicht so recht etwas erkennen. Er sei aber froh und glücklich, dass endlich etwas geschieht.

So sieht es auch Christoph Blees, Chef vom "Flaschengeist" in der Bahnhofstraße. Ein bisschen enttäuscht ist er, dass aus den früheren Planungen nichts geworden ist. Mehr als enttäuscht ist er aber von der Gestaltung: "Desaströs", ist sein Kommentar. Er könne nicht verstehen, dass man die Fehler der 70er Jahre aufgreife. Da habe die Stadt einfach versagt. Markus Beer ärgert sich, dass der Block jetzt höher wird als gedacht: "Ein richtiger Klotz, nicht mehr schön. Mir persönlich gefällt’s überhaupt nicht."

Erscheinungstag: 20.07.2013 - Zeitung: AZ
Ausgabe: B-IS - Ressort: LOK - Seite: 37

 

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